Zwei fischer Mitarbeiter im Gespräch zum Thema Prozessoptimierung

„Nachhaltigkeit ist für uns ein echter Wettbewerbsvorteil“

15. November 2019

Wie können wir unsere Abhängigkeit von endlichen, erdölbasierten Rohstoffen verringern? Lässt sich eine Schraube bei gleicher Funktionalität mit weniger Material herstellen? Und was brauchen Mitarbeiter, um Produktinnovationen zu entwickeln? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich Christian Ziegler täglich. Er ist im internationalen Produktionsverbund beim Befestigungsspezialisten fischer tätig – und zugleich Nachhaltigkeitsmanager.

„Bei fischer haben wir uns bewusst dafür entschieden, keinen separaten Geschäftsbereich Nachhaltigkeit aufzubauen, sondern ein bereichsübergreifendes Nachhaltigkeitsteam mit Mitgliedern aus allen Geschäftsbereichen“, erzählt Ziegler. Das zahlt sich aus: Bereits zum zweiten Mal in Folge ist fischer unter den Top 3 der nominierten Großunternehmen für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. „Das ist die größte Auszeichnung im Bereich Nachhaltigkeit in Europa und wir sind sehr stolz, zu den Finalisten zu gehören.“

Christian Ziegler, Nachhaltigkeitsmanager bei fischer.
fischer unter den Top 3 der nominierten Großunternehmen für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Christian Ziegler ist Nachhaltigkeitsmanager bei fischer.

 

Nachhaltigkeit hat eine lange Tradition bei fischer

„Gesellschaftliche Verantwortung und aktives Umweltmanagement hat bei fischer von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt“, sagt Ziegler. Seit den 70er-Jahren nutzt das Unternehmen beispielsweise Quell- statt Trinkwasser zu Kühlzwecken – und seit den 80er-Jahren Abwärme zur Gebäudeheizung mit Wärmepumpen. „Wir streben langfristigen ökonomischen Erfolg in Einklang mit Umwelt und Gesellschaft an“, erklärt Ziegler. „Nachhaltigkeit bedeutet für fischer, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen.“

Allerdings war fischer in diesem Bereich nicht immer strategisch so gut aufgestellt wie heute: „Wir haben mehrere Anläufe gebraucht, bis 2015 die ersten Nachhaltigkeits-Workshops mit Mitarbeitern aus verschiedenen Geschäftsbereichen stattfanden.“ Daraus hat sich das fischer Nachhaltigkeitsteam mit momentan um die 15 Kollegen entwickelt – und Ziegler übernahm die Verantwortung. „Jeder Mitarbeiter bringt die Informationen aus seinem Bereich in das Team ein. Gleichzeitig ist er ein Multiplikator für die anderen Kollegen“, sagt Ziegler. „Das funktioniert unserer Meinung nach besser als reine Nachhaltigkeitsabteilungen, die oft recht isoliert vom Rest des Unternehmens agieren.“

 

Das fischer Nachhaltigkeitsteam mit Mitgliedern aus ganz verschiedenen Geschäftsbereichen.
Bei fischer hat man sich bewusst für ein bereichsübergreifendes Nachhaltigkeitsteam statt einem separaten Geschäftsbereich Nachhaltigkeit entschieden.

Kontinuierlich besser werden

Ein weiteres zentrales Element bei der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie ist für fischer die Teilnahme am Deutschen Nachhaltigkeitspreis. „2016 waren wir zum ersten Mal dabei – und sind erwartungsgemäß in der ersten Bewerbungsphase ausgeschieden“, sagt Ziegler. „Unser Ziel war aber auch gar nicht zu gewinnen, sondern uns selbst extern zu bewerten und anschließend zu verbessern.“ Gut ist, dass die Experten-Jury zu jeder Bewerbung ein Feedback gibt. „Und das ist unglaublich wertvoll: So konnten wir wichtige Themen identifizieren und auch intern die Glaubwürdigkeit unseres Nachhaltigkeitsmanagements erhöhen.“ Mit Erfolg: Im zweiten Jahr schaffte es fischer bereits unter die besten zehn, 2018 unter die Top drei – eine Platzierung, die dieses Jahr wiederholt werden konnte. Die Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2020 findet am 22. November 2019 in Düsseldorf statt.

2019 hat das Thema Nachhaltigkeit bei fischer eine weitere wichtige Entwicklung durchlaufen: Der fischer Nachhaltigkeitskompass (siehe Box) wurde grundlegend überarbeitet und von einem symbolischen zu einem echten Steuerungselement ausgebaut. „Uns ist nicht bekannt, dass ein anderes Unternehmen etwas Vergleichbares hat“, sagt Ziegler.

Der fischer Nachhaltigkeitskompass & das fischer Status-Radar

Der fischer Nachhaltigkeitskompass bildet die strategische Basis für das Nachhaltigkeitsengagement von fischer. Er basiert auf den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft. Außerdem orientiert er sich an der baden-württembergischen WIN-Charta und den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Im Zentrum steht das fischer Leitbild, nach außen hin gliedert er sich in 19 Schwerpunktthemen. Pro Thema definiert die Geschäftsführung einen Zielwert: zum Beispiel einen Prozentsatz, wie viele Ressourcen eingespart werden sollen. Daraus wiederum werden konkrete, überprüfbare und messbare Maßnahmen abgeleitet. Schließlich werden die Kennzahlen dieser verschiedenen Maßnahmen wieder zu einer einzigen Kennzahl pro Schwerpunktthema zusammengeführt. Diese erscheint im Status-Radar, das einmal im Quartal erstellt wird. So lässt sich auf einen Blick erkennen, bei welchen Themen fischer gut aufgestellt ist, bei welchen Verbesserungen erzielt wurden und wo Handlungsbedarf besteht, um den Zielwert zu erreichen.

Stäube getrennt absaugen und wiederverwenden, statt teuer entsorgen: fischer hat die Herstellung seiner Injektionsmörtel optimiert.
Stäube getrennt absaugen und wiederverwenden, statt teuer entsorgen: fischer hat die Herstellung seiner Injektionsmörtel optimiert.

Produkte und Prozesse optimieren

Ein Beispiel aus dem Schwerpunktthema Ressourceneffizienz ist die Überarbeitung der fischer Nagelschraube. „Wir haben den Schaft von 3,6 auf 3,2 Millimeter verjüngt, die Geometrie etwas angepasst und die Spitze weggelassen, die keinerlei Funktion hat. Dank dieser Feinjustierungen brauchen wir 10 Prozent weniger Material – bei gleicher Funktionalität“, erläutert Ziegler. Pro Jahr sind das um die 43 Tonnen Material, was fischer über 220.000 Euro spart. Nicht nur Produkte, sondern auch Prozesse werden optimiert. Bei der Herstellung der fischer Injektionsmörtel FIS EM Plus und FIS V 360 S sowie des Montagemörtel GREEN entstehen erheblich Stäube, die abgesaugt und teuer entsorgt werden müssen. fischer ist es jedoch gelungen, die Stäube sortenrein wiederaufzufangen, sodass sie wiederverwendet werden können. Allein für einen der Rohstoffe kommen enorme Einsparmengen zusammen: „Wir brauchen etwa 20.000 Liter weniger Kieselsäure, vermeiden damit rund 3.100 Kilogramm Sondermüll und sparen insgesamt circa 13.300 Euro an Material- und Entsorgungskosten“, listet Ziegler auf. Eingebunden ist das in ein digitalisiertes Prozessleitsystem, für das fischer im Juli 2018 mit der Auszeichnung „100 Orte für Industrie 4.0“ des Landes Baden-Württemberg prämiert wurde.

Die Produktivelfalt des fischer greenline Sortiments, den weltweit ersten Befestigungsprodukten aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen.
Mit dem fischer greenline Sortiment gibt es die weltweit ersten Befestigungsprodukte aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen. Die Haltewerte sind genauso gut wie bei den konventionellen Produkten.

Neue Produkte entwickeln

„Wir sind stetig auf der Suche nach anderen Rohstoffen, um unsere Abhängigkeit von den endlichen, erdölbasierten wie Polyamid oder Polypropylen zu verringern“, sagt Ziegler. Seit 2012 kann fischer in diesem Bereich einen großen Erfolg vorweisen: Mit dem greenline Sortiment stellt das Unternehmen die weltweit ersten Befestigungsprodukte aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen her.

Als Basis für die Kunststoffbestandteile des greenline Sortiments dient Rizinusöl, das aus dem Samen des Wunderbaums gewonnen wird. Dieser steht nicht in Konkurrenz mit Nahrungs- und Futtermitteln, auch nicht mit den entsprechenden Anbauflächen. sagt Ziegler. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Pforzheim stellt fischer komplette Vorketten-Transparenz her: „Wir wissen, wo der Wunderbaum angebaut wird, wie das Öl und die Sebacinsäure gewonnen und verarbeitet werden.“ Die Dübel des greenline Sortiments erreichen ebenso gute Haltewerte wie die konventionellen Dübel, haben also dieselbe Leistungsfähigkeit. „Das sind absolute Zukunftsprodukte und damit ein echter Wettbewerbsvorteil und ein Alleinstellungsmerkmal für fischer“, freut sich Ziegler.

Koch-Legende Harald Wohlfahrt (links) kocht zusammen mit dem Küchenchef Franky Gissinger im Betriebsrestaurant von fischer.
Koch-Legende Harald Wohlfahrt (links) kocht einmal im Monat im Betriebsrestaurant von fischer, zusammen mit dem Küchenchef Franky Gissinger.

Innovationen möglich machen

Eigenverantwortlichkeit wird bei fischer großgeschrieben: Die Ziele pro Nachhaltigkeits-Thema sind zwar festgelegt und werden auf messbare Zahlen heruntergebrochen, zum Beispiel ein gewisser Prozentsatz an Ressourcen, der pro Jahr eingespart werden soll. „Die Teams und Mitarbeiter entscheiden dann aber selbst, wie diese Einsparung am besten erreicht werden kann“, erklärt Ziegler. „Auf diese Weise haben wir zum Beispiel die Materialkosten bei der fischer Nagelschraube reduziert. Das funktioniert viel besser, als wenn wir alles bis ins kleinste Detail von oben vorgeben würden. Denn oftmals kennt keiner im Vorhinein die beste Lösung.“

Für fischer ist es von besonderer Bedeutung, die drei Nachhaltigkeits-Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft als Ganzes zu betrachten. Hierbei spielt die Wertschätzung der Mitarbeiter eine große Rolle. Beispiel Arbeitsschutz: Dieses Thema ist in allen betrieblichen Abläufen fest verankert. Des Weiteren tragen das firmeneigene Fitnessstudio, die Kooperation mit dem Kinderhaus „Himmelreich“ und eine der besten Kantinen Deutschlands dazu bei, dass die Gesundheits- und Wohlfühlquote am Hauptsitz in Waldachtal-Tumlingen ebenso wie an den anderen deutschen Standorten bereits seit vielen Jahren über der Benchmark liegt.

fischer greenline

Das Befestigungssortiment mit nachwachsenden Rohstoffen.

Mehr zur fischer greenline

fischer Blog

Hier geht’s zur fischer Nachhaltigkeitsbroschüre

 

fischer Blog