Das 110 Meter hohe Bürohochhaus La Grande Arche de la Fraternité in Puteaux, westlich von Paris.

La Grande Arche – Fassadenbau par excellence

07. Juni 2019

Hitze, Frost, Feuchtigkeit und Luftverschmutzung – der Zahn der Zeit nagt an den stolzesten Gebäuden. „Beim Bürohochhaus La Grande Arche in Paris sorgten zudem die hohen Windlasten und der Regen für sichtbare Abnutzungsspuren und Verschmutzungen an der Fassade“, erzählt Steven-Henrik Maier, Marktmanager Frankreich beim Befestigungsspezialisten fischer SystemTec. „Verformungen, Abplatzungen und Risse an der Fassade aus weißem Carrara-Marmor waren die Folge. Dies hatte zur Folge, dass 2015 die Verantwortlichen endgültig entschieden haben, die Fassade zu renovieren, nachdem bereits im Jahr 2009 mit dem Gedanken gespielt worden war.“

Das französische Architektenbüro Valode & Pistre wurde beauftragt, eine umfassende Modernisierung des Gebäudes zu koordinieren. Und die trafen eine weitreichende Entscheidung: Anstatt des bisher verwendeten Marmors sollte bei der Fassade ein robusterer Granitstein zum Einsatz kommen. Außerdem war den Architekten die bisherige Befestigung ein Dorn im Auge: Sie wollten anstatt der Dornanker, die in jeder Fuge zu sehen sind, die Fassadenplatten nicht-sichtbar mit Hinterschnitt-Ankern von fischer befestigen. Der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit – und ein europäisches Kooperationsprojekt par excellence.

La Grande Arche – der neue Triumphbogen

Der „Grande Arche“ zählt seit seiner Fertigstellung im Jahr 1989 zu den beliebtesten Aussichtspunkten in Paris. Kein Wunder, liegt doch das Gebäude am Ende der rund acht Kilometer langen Sichtachse, die vom Kunstmuseum Louvre über die Champs-Élysées und den Arc de Triomphe bis zu dem Bürohochhaus reicht. Entworfen hat das monumentale Bauwerk der dänische Architekt Johann Otto von Spreckelsen, der den würfelförmigen Bogen als „Tor zur Welt“ verstanden wissen wollte. Mit rund 110 Metern Höhe bietet das 35-geschossige Bürohochhaus so viel Platz, dass die Kirche Notre-Dame de Paris inklusive ihres bei dem Großbrand am 15. April 2019 eingestürzten Vierungsturms mühelos darunter gepasst hätte.

Blick in das Innere des Hochhauses La Grande Arche.
Monumentale Ausmaße: Der „Grande Arche“ ist das moderne Gegenstück zum antiken Arc de Triomphe an der Champs-Élysées.

Das „Tor zur Welt“ bröckelt – und fischer hilft

Als 2015 die Anfrage aus Frankreich kam, steckte Steven-Henrik Maier noch mitten im Studium. „Im Grunde wollten die verantwortlichen Architekten einen robusteren Stein, der eine ähnliche Farbe hat wie der weiße Carrara-Marmor, und eine Befestigungsform, die gleichermaßen unauffällig wie sicher funktioniert“, fasst der heute 26-jährige Bauingenieur die Anforderungen zusammen. Den neuen Stein zu finden, war dabei das kleinere Problem: Schon nach kurzer Zeit verständigten sich die Verantwortlichen auf den weißen Granit „Bethel White“, der aus einem Steinbruch in Vermont (USA) gewonnen wird.

Große technische Herausforderungen

Die technischen Herausforderungen, vor allem im Bereich der Überkopf-Fassade, waren ungleich höher. Zum einen, weil aufgrund der Lage vor Ort enorme Windlasten herrschen. „Und zum anderen, weil es für die Befestigungen mit Hinterschnitt-Anker in Frankreich neben der europäischen ETA weder eine lokale Zulassung noch eine Prüfnorm oder Ähnliches gab“, erinnert sich Steven-Henrik Maier. „Hier mussten unser Technischer Leiter Jean-Marc Berg, heute Präsident von fischer Frankreich, und sein Kollege Gilles Dallon, Überzeugungsarbeit leisten.“ Und prüfbare Nachweise liefern.

Also luden sie die Projektverantwortlichen aus Frankreich an den fischer Hauptsitz nach Waldachtal ein, wo gemeinsam im Prüflabor Tests mit dem Granitstein „Bethel White“ und dem fischer Zykon-Plattenanker FZP-II-SO gemacht wurden. Mit Erfolg – denn vor allem die höheren Belastungswerte im Vergleich zu herkömmlichen Ankersystemen überzeugten die Auftraggeber. „Im Anschluss wurde das noch einmal von einem unabhängigen Prüfinstitut in Frankreich geprüft und wir haben die notwendige ATEX-Zulassung erhalten“, so Maier.

Der fischer Zykon-Plattenanker FZP-II-SO.
Hochwertiges Komplettsystem: Mit dem fischer Zykon-Plattenanker FZP-II-SO lassen sich problemlos vorgehängte Fassaden nicht-sichtbar befestigen. Auch Plattentoleranzen können problemlos ausgeglichen werden.

Komplettservice aus einer Hand

Mit der technischen Lösung, die Fassadenplatten aus Granit mit Hinterschnitt-Ankern von fischer zu befestigen, war der Weg frei, um das Projekt umzusetzen. Dabei hat ein zeitweise sechsköpfiges Projektteam von fischer die Koordination aller beteiligten internationalen Firmen übernommen. „So haben wir für den Bauabschnitt West/Süd (durchgeführt von EDM) die fristgerechte Lieferung des Granits in der richtigen Abmessung und Stärke mit dem Lieferanten des Steins in den USA abgesprochen. Parallel haben wir alle notwendigen Dinge mit dem Bohrbetrieb in Spanien koordiniert. Das ging von der Definition der Bohranlage und Bohrer bis zu den Bohrzeichnungen und den zulässigen Toleranzen“, fasst Marktmanager Steven-Henrik Maier nur einige der Aufgaben zusammen. „Das ist typisch fischer“, sagt der 26-Jährige, „wir kümmern uns vom Anfang bis zum Ende des Projekts um alles und stellen den Kunden und Partnern alle notwendigen Informationen zur Verfügung.“

Steven-Henrik Maier, Marktmanager Frankreich beim Befestigungsspezialisten fischer SystemTec.
Steven-Henrik Maier, Marktmanager Frankreich beim Befestigungsspezialisten fischer SystemTec.

System zur Befestigung hinterlüfteter Fassaden

Die fischer Zykon-Plattenanker FZP-II werden rückseitig montiert, sind in der Fuge nicht sichtbar und sorgen für eine formschlüssige und völlig spreizdruckfreie Befestigung im konisch hinterschnittenen Bohrloch. Verglichen mit randnahen Befestigungen (Dorn-, Steckdorn- und Nutbefestigungen) werden durch diese Technik niedrigere Plattenbiegemomente und höhere Tragfähigkeiten erreicht.

Darüber hinaus lassen sich im Bedarfsfall auch einzelne Platten einer Fassade problemlos austauschen. Da gerade bei Natursteinen die farblichen Unterschiede auffällig sein können, hat das französische Architektenbüro Valode & Pistre bei der Sanierung von „La Grande Arche“ gerne von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Und nach Gusto die Platten so umgehängt, wie sie nach deren Meinung am besten gepasst haben.

Hängende Arbeitsplattform während der Sanierung des „Grande Arche“ bei Paris.
Sanierung La Grande Arche: Der Austausch einzelner Platten, die beschädigt waren oder von der Farbe nicht gepasst haben, war problemlos möglich.