Förster Ferdinand Schorpp in seinem Revier – dem Wald um Waldachtal.

„Förster ist für mich kein Beruf – es ist eine Berufung“

31. Juli 2020

Ferdinand Schorpp ist beim Kreisforstamt Freudenstadt eine Institution. Seit fast 30 Jahren kümmert sich der Revierförster um die Gemeinde-, Kirchen- und Privatwälder rund um Waldachtal. Wir haben den 59-Jährigen begleitet und gefragt, welche Bedeutung Wald für ihn hat, was Waldwirtschaft mit Nachhaltigkeit zu tun hat und warum er seinen Beruf so liebt.

Rund um Ferdinand Schorpp summt und brummt es. Konzentriert und zügig geht der Revierleiter des Landkreises Freudenstadt, zuständig für den Gemeindewald Waldachtal, den Waldweg entlang und kontrolliert die Bäume, deren Gesundheit seit mittlerweile drei Jahrzehnten in seiner Verantwortung liegen. Ungefähr seine Körpergröße haben die Jungbäume darunter mittlerweile erreicht. Sie sind damit noch weit davon entfernt, für die Holzernte infrage zu kommen. Dennoch wirkt Ferdinand Schorpp zufrieden. Während sein Wirken als Förster in wenigen Jahren zu Ende sein wird, werden ihn diese Bäume überdauern. Sie dienen als Grundlage für die nächsten Generationen.

Förster Ferdinand Schorpp mit der Karte seines Reviers.
Nachhaltigkeit sollte geplant sein: Ferdinand Schorpp mit der Karte seines Reviers. ©Oliver Gewald / Kresse & Discher

„Ich wollte einen Beruf, der Sinn macht“

Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich Ferdinand Schorpp um die Verwaltung, Bewirtschaftung und den Schutz der Wälder rund um Waldachtal, etwa 70 Kilometer südwestlich von Stuttgart. Wie es dazu kam? „Nach dem Abitur wurde der Wunsch nach einer Arbeit in der freien Natur immer stärker“, erzählt der heute 59-Jährige. „Und ich wollte unbedingt einen Beruf, der Sinn macht.“ Bei der Wahl des Studiums zum Diplom-Forstingenieur entschied er sich dabei bewusst gegen eine finanziell lukrativere Karriere in der freien Wirtschaft.

Erst kürzlich musste sich der Familienvater noch einmal mit dieser beruflichen Entscheidung auseinandersetzen. Sein Sohn hatte sich entschieden, denselben Berufsweg einzuschlagen. „Da habe ich reflektiert, ob ich es noch mal genauso machen würde.“ Die Antwort war schnell klar: ein eindeutiges Ja! Förster zu sein, ist für Ferdinand Schorpp mehr als nur ein Weg, um Geld zu verdienen. „In diesem Beruf muss man es lieben, Werte zu pflegen und zu erhalten.“ Das Beispiel, das er dabei heranzieht, sind die kirchlichen Stiftungswälder in seinem Revier Waldachtal. „Hier wird die Pflege des Waldes als Erhaltung der Schöpfung gesehen“, sagt Schorpp. „Ich finde es eigentlich ganz schön, sich daran zu orientieren.“

Revierförster Ferdinand Schorpp

Der 59-Jährige ist Diplom-Forstingenieur und Revierförster im Kreisforstamt Freudenstadt. In seinem Revier Waldachtal ist er zuständig für den Gemeindewald, den Kirchenwald und den Privatwald. Nach seinem Studium an der Fachhochschule in Rottenburg am Neckar arbeitete Schorpp zunächst einige Jahre im damaligen Forstamt Alpirsbach, bevor er in das Tal in der Nähe von Freudenstadt wechselte. Schorpp lebt in Grünmettstetten, nahe bei Waldachtal. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Nachhaltigkeit heißt: nur so viel Holz schlagen, wie nachwachsen kann

Obwohl er als Förster auf das Ernten der Bäume hinarbeitet, sei der Erhalt eines gesunden Waldes das Wichtigste in seinem Beruf. Ohne die Pflege des Baumbestandes hat der Wald keine Zukunft. „Einfach nur auf den Ertrag zu achten, würde kurzfristig zu mehr finanziellen Erlösen führen, wäre aber langfristig eine Katastrophe.“ Ein Szenario, das es so bereits schon gab: Im 18. Jahrhundert wurde im Zuge der Industrialisierung deutlich mehr Holz gefällt, als nachwachsen konnte. Ergebnis: Viele zusammenhängende Waldgebiete, darunter auch der Schwarzwald, wurden dadurch fast völlig abgeholzt.

Der sächsische Oberberghauptmann, Hans Carl von Carlowitz (1645–1714), erkannte das Problem – und prägte erstmals den Begriff der „Nachhaltigkeit“. Ab sofort solle nur noch so viel Holz gefällt werden, wie auch nachwachsen könne. Ein Ansatz, der seither in der Forstwirtschaft verfolgt wird. „Nachhaltigkeit bedeutet für mich, so zu wirtschaften, dass die nachfolgende Generation die gleichen Möglichkeiten vorfindet wie wir“, sagt Schorpp. Die Nutzung des Waldes müsse so erfolgen, dass gleichzeitig dabei Neues entstehen könne – wie es auch bei der Holzernte der Fall sei: Wenn ein großer Baum gefällt wird, kommt mehr Licht auf den Boden. Dort kann dadurch wiederum neues Leben entstehen.“

Sonnenstrahlen brechen durch Baumkronen.
Sonnenstrahlen tauchen den Wald in ein stimmungsvolles Licht. ©Oliver Gewald / Kresse & Discher

Nachhaltigkeit als Gesellschaftsaufgabe

Dieses Wissen, das ihn der Wald lehrt, möchte der Förster auch an die nächsten Generationen weitergeben. Häufig führt Schorpp daher Kindergarten- und Schulgruppen durch den Wald, um ihnen sein Verständnis für Natur näherzubringen. Ziel: Der Nachhaltigkeitsgedanke soll von der gesamten Gesellschaft gelebt werden.

Auch der Befestigungsspezialist fischer, mit Sitz in Waldachtal, geht mit gutem Beispiel voran: „Gesellschaftliche Verantwortung und aktives Umweltmanagement hat bei uns von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt“, so Christian Ziegler, Nachhaltigkeitsmanager bei fischer. Seit den 1970er-Jahren nutzt das Unternehmen beispielsweise Quell- statt Trinkwasser zu Kühlzwecken – und seit den 80er-Jahren Abwärme zur Gebäudeheizung mit Wärmepumpen. Das Ziel: „Wir streben langfristigen ökonomischen Erfolg in Einklang mit Umwelt und Gesellschaft an. Nachhaltigkeit bedeutet für uns, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen“, betont Ziegler.

Nachhaltigkeit bei fischer

Seit 2015 betreibt fischer professionelles Nachhaltigkeitsmanagement. Dazu wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Abteilungen zu kleinen, bereichsübergreifenden Teams geformt, die gemeinsam an Projekten arbeiten. Mehr über die Nachhaltigkeitsstrategie von fischer und welche Projekte dabei unterstützt werden, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag:

Eine Kirche mitten im Wald

Auch Revierförster Schorpp hat unweit von den fischer Werken ein eigenes Projekt initiiert. Mit einer Gruppe von Firmlingen pflanzte er 2010 in einem Kirchenwald den Grundriss der Kirche von Altheim – mit 100 Linden und 200 Heimbuchen. In 100 bis 150 Jahren soll dadurch, mitten im Wald, der „Lindendom“ entstehen – eine Art Kirche, bei dem die Blätter der Bäume das Dach bilden. Das fertige Projekt wird keiner der Beteiligten jemals zu Gesicht bekommen – kann doch eine Linde bis zu 1.000 Jahre alt werden. Doch das Signal dieser Aktion ist klar: „Mit unserem menschlichen Leben sind wir ein Teil einer Zeitspanne des Waldes – und diesen müssen wir pflegen, damit auch unsere Nachfahren noch Holz ernten können.“ Gelebte Nachhaltigkeit eben.

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