Behind The Scenes: der abdichtende Dübel für den Nassbereich.

3. März 2021

Schon ein einzelnes, schlecht abgedichtetes Bohrloch kann ausreichen, dass Feuchtigkeit in die Wand gelangt. Die Folge: Feuchtigkeitsschäden. fischer Entwickler Christian Frey erklärt in unserer Reihe „Behind The Scenes“, warum diese Probleme mit dem DuoSeal der Vergangenheit angehören, wie der abdichtende Kunststoffdübel entstanden ist und wie er selbst unter extremsten Bedingungen seine Wirksamkeit bewiesen hat.

Christian Frey

Christian FreyDer studierte Maschinenbauer mit Fachrichtung Kunststofftechnik ist seit 2016 in der Entwicklung bei fischer tätig. Zu seinen Entwicklungen zählt neben dem DuoSeal unter anderem auch der DuoBlade Dübel, für den er mit dem Red-Dot-Award ausgezeichnet wurde. Sein Know-how zieht Christian Frey zum einen aus seiner beruflichen Erfahrung auf dem Gebiet der Produkt-Entwicklung im Bereich Spritzgusstechnik, zum anderen aus praktischen Erfahrungen im privaten Bereich. Sein Zuhause, ein altes Wohnhaus, hat er komplett in Eigenregie saniert und dabei unter anderem Hunderte Dübel gesetzt.

Neue Regeln für Bohrlöcher in Nassbereichen

Herr Frey, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen abdichtenden Dübel zu entwickeln?

Christian Frey: Ausschlaggebend war die neue Abdichtungsnorm DIN 18534, die seit Juli 2017 für die Abdichtung von Innenräumen gilt. Demnach dürften keine Löcher mehr in Wände oder Böden in Nassbereichen gebohrt werden, wenn diese danach nicht mehr normgerecht abgedichtet sind. Um das zu erfüllen, gab es jedoch keine Lösungen auf dem Markt. Trotzdem sind Handwerker und Heimwerker aber darauf angewiesen, nachträglich Anbauteile an einer Wand befestigen zu können – sei es für ein Regalkörbchen in der Duschkabine, die Duschkabine an sich oder einen Handtuchhalter neben dem Waschbecken. Durch unsere engen Kontakte und den stetigen Austausch mit Kunden haben wir schnell gespürt, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht. Das war für uns als Befestigungsspezialist Grund genug, uns dieses Problems anzunehmen.

Das verbirgt sich hinter der Abdichtungsnorm DIN 18534

Die Abdichtungsnorm DIN 18534 beschreibt, wie Innenräume im Sanitärbereich abgedichtet sein müssen. Die Erfüllung obliegt dabei allen Gewerken, die in dem Bereich arbeiten. Das heißt, sie liegt nicht nur im Verantwortungsbereich des Abdichtungsfachmanns und des Verbundabdichtungs-Herstellers, sondern gilt gleichermaßen für Planer, Architekten, Installateure, Fliesenleger usw.

Da nicht alle Bereiche in einem Badezimmer mit der gleichen Menge und Häufigkeit mit Wasser in Berührung kommen, wird bei der Norm zwischen unterschiedlichen Wassereinwirkungsklassen unterschieden, die festlegen, welche Bedingungen gelten.

  • W0: Geringe Wassereinwirkung. Flächen, die ab und zu mit Spritzwasser in Berührung kommen. Zum Beispiel Wände im Badezimmer außerhalb der Dusche oder die Bodenfläche in einem Gäste-WC.
  • W1: Mäßige Wassereinwirkung. Flächen, die mit Spritzwasser in Berührung kommen, aber kein angestautes Wasser aushalten müssen. Zum Beispiel Wände über Badewannen oder in Duschen und Bodenflächen abseits des Duschbereichs im Badezimmer.
  • W2: Hohe Wassereinwirkung. Flächen, die häufig mit Spritz- und Brauchwasser in Berührung kommen und auch anstauendes Wasser aushalten müssen. Zum Beispiel Duschen in Sportstudios oder Schwimmbädern, Bodenflächen mit Abläufen oder bei bodengleichen Duschen.
  • W3: Sehr hohe Wassereinwirkung. Flächen, die sehr oft oder lang Spritzwasser und/oder Brauchwasser ausgesetzt sind. Zum Beispiel Flächen im umliegenden Bereich von Schwimmbädern, gewerbliche Küchen, Wäschereien.

Warum sind Befestigungen, wie sie vor der Norm üblich waren, nicht mehr ausreichend?

Christian Frey: Klar ist, dass das Problem der Abdichtung von Bohrlöchern in Feuchträumen auch schon vor der Norm bestand. Allerdings stellte es sich früher kleiner dar als heute. Das liegt zum einen an der veränderten Bauweise und zum anderen an einem veränderten Bewusstsein für das Problem. Früher wurde solide Stein auf Stein gebaut, heute gibt es mehr Fertighäuser und Ständerbauweise, wo häufig Gipsbaustoffe zum Einsatz kommen. Feuchtigkeit kann hier schnell zu einem Stabilitätsverlust führen. Außerdem gab es vor der Norm keinerlei Regelung, wie ein Bohrloch abzudichten ist. Meistens wurde Silikon verwendet. Eine komplette Abdichtung des Bohrlochs war dadurch aber nicht garantiert. Denn streng genommen ist Silikon auch kein Dichtstoff, sondern eine Wartungsfuge, die alle fünf Jahre erneuert werden müsste und ohne zusätzliche Abdichtung nicht verwendet werden darf.

Worin unterscheidet sich nun die Anwendung eines fischer DuoSeal?

Christian Frey: Für den Handwerker unterscheidet sie sich nur darin, dass keine zusätzlichen Stoffe oder Hilfsmittel zum Abdichten benötigt werden. Beim Duo Seal handelt es sich um ein komplettes, in sich geschlossenes System kombiniert aus Dübel und Schraube. Die Handhabung funktioniert wie gewohnt: Loch bohren, Dübel einsetzen, Gegenstand mit der Schraube befestigen, festziehen, fertig.

Klingt nach einer einfachen Lösung für ein kompliziertes Thema. Hat sich die Entwicklung des Produkts auch so einfach gestaltet?

Christian Frey: Einfach war es sicher nicht, aber sehr spannend. Die Entwicklung bis zur Markteinführung hat in etwa vier Jahre gedauert. Wir haben sicher 25 bis 30 verschiedene Muster angefertigt, bis wir das optimale Ergebnis erreicht hatten. Die Besonderheit war, dass wir uns mit diesem Dübel auf vollkommen neues Terrain gewagt haben. Denn wir sind Befestigungsspezialisten, keine Abdichtungsspezialisten. Der gesamte Entwicklungsprozess war deshalb von einem starken und permanenten Austausch mit Experten und Anwendern aus der Abdichtungsbranche geprägt. So kam ich auf vier oder fünf Grundideen, wie das Produkt aussehen könnte. Über zahlreiche Optimierungsphasen, viel ausprobieren, testen und nachbessern, entstand schließlich der DuoSeal.

Vom Problem zur passenden Lösung

Woraus besteht der DuoSeal?

Christian Frey: Im ersten Moment würde man vielleicht davon ausgehen, dass eine chemische Komponente nötig ist, um die abdichtende Wirkung zu erreichen. Das Problem dabei wäre allerdings die Funktionalität. Eine chemische Komponente erfordert zum Beispiel eine bestimmte Trocknungszeit, die eine gewisse Unsicherheit in der Anwendung gebracht hätte. Zudem gibt es keinen passenden Stoff, der gleichzeitig quellen und abdichten kann. Und außerdem hätte ein chemisches Produkt nur eine bestimmte Haltbarkeit. Darum haben wir nach einer reinen Kunststofflösung gesucht. Bis wir das richtige Material dafür hatten, haben wir jedoch sicher an die 30 unterschiedlichen Materialien ausprobiert.

Was ist das Besondere an dem Material und wie funktioniert der Dübel?

Christian Frey: Der graue Kunststoff beim DuoSeal ist nicht der, den wir sonst bei anderen Dübeln verwenden. Er zeichnet sich durch eine hohe Fließfähigkeit aus. In Kombination mit der roten Komponente, die aus einem festen, nicht fließfähigen Kunststoff besteht, und der speziellen Geometrie des Dübels erreicht er so die gewünschte Wirkung. Allein durch den Druck der Schraube beim Eindrehen werden die Materialien nach außen gedrückt und der graue Kunststoff fliest sozusagen in die Hohlräume des Bohrlochs. Beim Anziehen wird durch die stabile rote Komponente zusätzlich Druck auf den grauen Kunststoff übertragen, sodass dieser sich auch bis in die letzte kleine Vertiefung im Bohrloch schmiegt. Zusätzliche Funktionssicherheit bieten der breite Rand am Eingang des Dübels, der wie eine Dichtscheibe funktioniert, und die Riffelung am Schaft, um gröbere Unebenheiten im Bohrloch auszugleichen. So spielt es zum Beispiel auch keine Rolle, ob mit einem neuen oder alten Bohrer gebohrt wurde. Nicht egal ist jedoch die Verwendung der richtigen Schraube. Sie wird beim DuoSeal deshalb immer mitgeliefert.

DuoSeal-Dübel mit dazugehöriger Schraube bei der Anwendung in verschiedenen Baustoffen im Querschnitt.
Die genau abgestimmte Kombination aus Schraube und Dübel gewährleistet die sichere Abdichtung von Bohrlöchern in verschiedensten Baustoffen.

Unter extremen Bedingungen getestet

Wie konnten Sie sicherstellen, dass der Dübel hält, was er verspricht?

Christian Frey: Testen, testen, testen. Schon während der Entwicklung haben wir bei fischer intern immer wieder viele Tests durchgeführt, was die Anwendung und Abdichtung betrifft. Als wir sicher waren, unser Ziel erreicht zu haben, wollten wir die Funktion aber auch von einem externen, unabhängigen Institut, das auf Abdichtungen spezialisiert ist, prüfen lassen.

Wie sah diese Prüfung aus?

Christian Frey: Ziemlich extrem. Denn obwohl in der Abdichtungsnorm unterschiedliche Wassereinwirkungsklassen definiert sind, gibt es nur ein festgelegtes Prüfverfahren – und zwar für die höchste Wassereinwirkungsklasse W3. Nach Norm darf ein Bohrloch aber nur in Bereichen bis W1 nachträglich gesetzt werden. Da es für W1 jedoch kein eigenes offizielles Prüfverfahren gibt, hatten wir keine andere Möglichkeit als den DuoSeal nach W3-Anforderungen prüfen zu lassen.

Welche Anforderungen musste der DuoSeal in dem W3-Test erfüllen?

Christian Frey: Zum einen gab es den Dauerdusch-Test. Das bedeutet, der verbaute Dübel wurde über 1500 Zyklen mit heißem und kaltem Wasser im Wechsel bebraust: eine Minute 10 Grad kaltes Wasser, eine Minute Pause, eine Minute 60 Grad heißes Wasser und wieder eine Minute Pause – so wurden 100 Stunden duschen simuliert. Mit einem anderen Test wurde zudem die Undurchlässigkeit bei angestautem Wasser überprüft. Dafür musste das Dübel-System einer Wassersäule von 20 Zentimetern über 28 Tage standhalten. Das sind also extreme Tests und Bedingungen, die so in der Praxis in einem gewöhnlichen Haushalt eigentlich gar nicht vorkommen. Und dennoch hat der DuoSeal sie einwandfrei bestanden, wo andere Dübel und Lösungen in Vergleichstests klar versagt haben.

Du möchtest mehr über den ersten abdichtenden Dübel erfahren? Hier geht’s zum DuoSeal!

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