Blick auf die Südwand des Poncione d’Alnasca (2300 m) im Schweizer Kanton Tessin.

„Diese Wand sieht mich nie wieder“

25. Juli 2019

Tag 1, Poncione d’Alnasca, im Schweizer Kanton Tessin

Das Wetter ist gut Ende April. Die Temperaturen liegen bei angenehmen 20 Grad, als sich Robin Theurer, Mitarbeiter in der Kaltumformung beim Befestigungsspezialisten fischer, mit seinen beiden Freunden Jörg und Sebastian vom Verzasca-Tal aus auf den Zustieg Richtung Biwak macht. Rund 900 Höhenmeter liegen vor ihnen. Eine anspruchsvolle Strecke, denn die drei Hobby-Kletterer müssen das gesamte Material für eine technische Klettertour mitschleppen: Jeder von ihnen trägt einen riesigen Rucksack gefüllt mit Stehleitern, Seilen, Bohrhaken, Keilen, Zelten und Lebensmittel. Mit im Gepäck ist auch der Bolzenanker FAZ  II von fischer. Der macht die Haul Bags nicht spürbar schwerer, sorgt aber im Ernstfall für mehr Sicherheit im Fels (nicht nach DIN EN 569 und DIN EN 959 zertifiziert). Gewicht pro Rucksack: rund 45 Kilogramm.

Zwei Kletterer schleppen riesige Transportrucksäcke zum Poncione d’Alnasca.
Kerniger Anstieg: In rund 45 Kilogramm schweren Rucksäcken schleppen Robin Theurer und sein Kletterkollege Jörg das Equipment zum Zustieg des Poncione d’Alnasca. Der Weg beginnt relativ eben, steigt aber nach wenigen Kehren steil an.

Technisches Klettern

Beim technischen Klettern werden eine Vielzahl von Hilfsmittel wie Haken, Keile, Seile, Strick- und Stehleitern genutzt, um sich am Fels fortzubewegen. Die verschiedenen Kletterpassagen sind in Schwierigkeitsgraden von A0 (relativ leicht, gute Haken und Trittschlingen vorhanden) bis A5 (sehr schwierig, kaum oder nur schlechte Haken vorhanden) eingeteilt. Die gesamte Ausrüstung – inklusive eines Zeltes, wenn am Fels übernachtet werden soll – muss auf die Klettertour mitgenommen werden. Deshalb kommt man bei dieser Art des Kletterns nur sehr langsam voran.

Zunächst kommt die Gruppe gut voran. Regelmäßige Pausen und die Vorfreude auf ein einzigartiges Klettererlebnis sorgen für die notwendige Motivation. Doch je steiler das Gelände wird, desto schwerer werden die Schritte. Und desto tiefer schneiden die Trageriemen der Riesen-Rucksäcke in die Schultern. „Es war ein Fehler, dass wir den Zustieg um einen Tag gekürzt haben und die Ausrüstung auf einmal nach oben bringen wollten“, erzählt Robin Theurer. „Die Rucksäcke waren viel zu schwer und obwohl die Riemen breit und gepolstert waren, fühlte es sich schon nach kurzer Zeit an, als wären es nur dünne Nylonschnüre.“ Als fast nichts mehr geht, treffen die drei eine Entscheidung: Um Gewicht zu sparen, lassen sie die beiden Zelte am Wegesrand liegen.

Steil hinauf: eine gute Sicherung ist dafür besonders wichtig.

Technische Klettertour „Himmelsfinger“ am Poncione d’Alnasca

Der Poncione d’Alnasca ist 2300 Meter hoch und liegt im Schweizer Kanton Tessin. Das Gestein besteht aus massivem Granit und bietet ideale Kletterbedingungen.

Planung (sechs Tage):
Sonntag: Anfahrt Robin und Jörg ins Tessin und Transport des ersten Teils der Ausrüstung zum Biwak, anschließend Abstieg.
Montag: Ankunft Sebastian und Zustieg zum Biwak mit dem restlichen Equipment. Übernachtung im Biwak.
Dienstag: 1. Klettertag mit Übernachtung im Fels.
Mittwoch: 2. Klettertag mit Übernachtung im Fels.
Donnerstag: 3. Klettertag mit Übernachtung im Fels.
Freitag: Abstieg ins Tal.

Daten & Fakten:
Gipfel Poncione d’Alnasca: 2300 m
Name der Tour: Himmelsfinger (Südwand)
Gestein: solider Granit
Zustieg: 900 Höhenmeter – Dauer ca. 4 Stunden
Einstieg in die Wand: auf 1700 m
Temperaturen tagsüber: 10–11 Grad
Temperaturen nachts: um den Gefrierpunkt

 

Der steile Zustieg zum Poncione d’Alnasca. (Bild links) Erschöpft machen die Kletterer eine Pause. (Bild rechts)
Tief durchatmen: Das Bild links gibt einen Eindruck, wie steil der Zustieg war. Mehr als vier Stunden benötigten Robin Theurer (links) und seine beiden Kletterkollegen bis zum Biwak.

Robin Theurer: „Geplant war eine technische Klettertour über sechs Tage. Diesen Zeitplan konnten wir aus unterschiedlichen Gründen (Verspätung beim Start, schlechte Wetteraussichten etc.) nicht einhalten, weshalb wir die Tour mehrfach umplanen mussten.“

Auch ohne Zelte ist das Gepäck noch viel zu schwer (Anmerkung der Red.: ideal wären 12–17 kg). Hinzu kommt, dass der Weg im letzten Drittel der Strecke stark abschüssig ist. „Die mit Gras bewachsenen Querungen waren sehr gefährlich“, berichtet der 29-Jährige Robin. „Ich war am Limit und habe mich als Vater eines zweijährigen Sohnes schon gefragt, ob das sein muss.“ Vollkommen erschöpft erreichen die drei nach mehr als vier Stunden das Biwak – eine Hütte im Fels, in der es sogar Matratzen gibt.

Sehenswert: Das Biwak vor der Südwand des Poncione d’Alnasca befindet sich in einer Steinhöhle.
Das Biwak in der Steinhöhle bietet auch bei schlechtem Wetter Schutz. Im Hintergrund die Südwand des Poncione d’Alnasca.

Tag 2, Biwak am Poncione d’Alnasca & 1. Klettertag

Nach acht Stunden Schlaf wartet am nächsten Morgen der erste Klettertag. „Weil wir alle noch ziemlich erschöpft waren, haben wir beschlossen, erst einmal nur einen Teil zu klettern, um Erfahrungen zu sammeln“, berichtet Robin Theurer. Guter Dinge genießen sie bei optimalem Wetter einen wunderschönen Klettertag in den Bergen.

Zwei Kletterer am Poncione d’Alnasca.
Die Strapazen haben sich gelohnt: Robin Theurer (links) und Kletterkollege Jörg genießen einen fantastischen Tag am Fels.

Tag 3, Südwand Poncione d’Alnasca

Als Robin Theurer erwacht, spürt er sofort, dass etwas nicht stimmt. „Ich war krank, schlapp und habe gefroren“, erinnert sich der 29-Jährige. „Es hätte keinen Sinn gemacht, mit einer Erkältung zu klettern.“ Nach Abstimmung mit seinen Begleitern entscheiden die drei, sich zu trennen. Während Jörg und Sebastian zu zweit einen Abschnitt der Himmelsfinger-Tour klettern wollten, sollte Theurer einen Teil des Gepäcks ins Tal bringen und ohne Gepäck wieder aufsteigen. „Geplant war, dass wir uns alle am Abend im Biwak treffen“, sagt Theurer. Allein begibt sich der Familienvater auf den Abstieg. „Es war eine Tortur. Ich habe ewig gebraucht und manchmal überlegt, ob ich mich nicht einfach nur hinsetzen und nicht weitergehen soll“, erzählt Theurer. Selbst als ich unser Auto gesehen habe, wusste ich nicht, ob ich dort auch ankomme.“ Er schafft es mit letzter Kraft, legt sich ins Auto und schläft erschöpft ein. Als er Stunden später erwacht, weiß er sofort: „Ich komme da nicht mehr rauf.“ Via Handy informiert er seine Kletterkollegen am Fels und die entscheiden sofort abzusteigen. Ein Umstand, der Theurer auch rückblickend noch stolz macht. „Sie haben aus Freundschaft zu mir die Tour abgebrochen und sind nicht alleine weitergeklettert.“ Sechs Stunden später erreichen auch sie das Auto. Die Rückfahrt nach Hause verbringt Robin Theurer mehr schlafend als wach. Ob er im nächsten Jahr nochmals einen Anlauf am Poncione d’Alnasca unternimmt: „Nein“, winkt er ab, „diese Wand sieht mich nie wieder!“

Trotz einiger Schwierigkeiten: dieser Ausflug bleibt in Erinnerung.

 

 

Die Story hinter der Story:

Nicht alles ist planbar – oder warum wir diese Geschichte eigentlich erzählen wollten

Natürlich wollten wir eine ganz andere Geschichte erzählen. Eine über die Schönheit der Technischen Kletterei, die Langsamkeit im Fels, die Natur und das kalkulierbare Risiko. Dabei wollten wir einen Mitarbeiter des Befestigungsspezialisten fischer beschreiben, der in seinem Job den Bolzenanker FAZ II herstellt und ihn in seiner Freizeit dazu nutzt, um nachts sein Zelt im Fels zu sichern. Dass das funktioniert, davon ist Robin Theurer überzeugt. „Ich habe 100-prozentiges Vertrauen in den FAZ II.“ Dass manches aber anders kommt als geplant, das wissen wir nun auch. Deshalb werden wir irgendwann einen neuen Anlauf unternehmen. Im nächsten Jahr vielleicht, an einem anderen Berg. Aber sicher mit dem Bolzenanker FAZ II von fischer.

Weitere Infos zum Bolzenanker FAZ II von fischer findest du hier!

fischer Blog