„Die Emotionen kamen erst beim Abstieg“

„Die Emotionen kamen erst beim Abstieg“

20. Juli 2018

Unser Mitarbeiter Simon Essig hat gewagt, was Wenige wagen: Der Alpinist hat den Island Peak bezwungen – einen der Sechstausender im Himalaya. Zielstrebigkeit, Ausdauer und Besonnenheit haben Simon zum Gipfel geführt. Qualitäten, die auch bei fischer für ihn unverzichtbar sind.

Einen Schritt vorwärts. Einen halben Schritt zurück. Schaffe ich das? ist die Frage, die Simon Essig durch den Kopf geht, als er sich zum Gipfel des Island Peak (6.189 Meter) im Everest-Gebirge kämpft – und immer wieder einsinkt. Der Grund: Am Morgen sind 20 cm Neuschnee gefallen. Schneedünen erschweren den steilen Aufstieg. Nicht wenige hätten die Expedition abgebrochen. Simon hingegen spornen die widrigen Bedingungen an: Auf diese Herausforderung hat er lange hingearbeitet – und er will sich ihr mit kühlem Kopf stellen.

Drei Monate Vorbereitung

Der Weg durch Wind und Eis auf über sechstausend Meter über dem Meeresspiegel ist kein leichter. Drei Monate lang hat sich der 31-Jährige auf den dreiwöchigen Trip im Mai 2018 vorbereitet. Er ist 250 Kilometer auf dem Laufband gelaufen – und hat im fischer Fitness-Studio an seiner Kondition gefeilt. Ein Freund aus Abiturzeiten hat ihn nach Nepal begleitet. Vor Ort werden sie den einheimischen Bergführer und zwei Sherpas treffen.

Bereits im vergangenen Jahr hat Simon eine Trekking-Tour im Himalaya unternommen. Er wollte sich jedoch weiterentwickeln. „Persönliche Grenzen erreichen und verschieben – das treibt mich an“, sagt Simon. Aus seiner damaligen Exkursion hat er zwei Lehren gezogen: Diesmal hat er einen Schlafsack für Extremtemperaturen bis -44 Grad Celcius eingepackt – und noch robustere Schuhe. „Frieren ist ziemlich unlustig in dieser Höhe“, schmunzelt er. „Und gutes Schuhwerk eine Lebensversicherung.“

Ankunft auf der Buckelpiste

Am Beginn einer einzigartigen Bergtour steht für Simon eine waghalsige Anreise – die sich jedoch nicht vermeiden lässt: Der Flughafen in Lukla, Nepal, gilt als einer der gefährlichsten der Welt. Wegen seiner hohen Lage auf 2.800 Metern wird er auch als „Altiport“ bezeichnet. Über Gebirgspässe gelangt Simon von hier aus nach Namche Bazar – dem Tor zur Khumbu-Region. Für Simon ist es der Ausgangspunkt der Expedition.

Kraft tanken am Fuße des Berges

In den kommenden Tagen führt der Weg die Gruppe an Gebirgsseen vorbei und durch schroffe Täler. Tag für Tag gewöhnen sie sich an die dünne, eisige Luft und Gradzahlen weit unter Null. Als sie am Fuße des Island Peak ankommen, befinden sie sich auf knapp 5.000 Meter – Zeit, alle Kräfte für den Aufstieg zu sammeln.

Aufstieg mit Augenmaß

Schließlich ist es soweit: Nachts um 1 Uhr brechen die Gipfelstürmer auf. Bei aller Zielstrebigkeit und allem Ehrgeiz zeigt sich Simon besonnen: „Das Ziel ist nicht hoch-, sondern heil wieder herunterzukommen.“ Der Aufstieg verlangt dem Körper alles ab. Das Ein- und Ausatmen fällt zunehmend schwer – aber Simon ist hochkonzentriert. Über wacklige Leitern überquert die Gruppe 50 Meter tiefe Gletscherspalten. Doch die schwierigste Passage liegt noch vor ihnen: Der heftige Schneefall der vergangenen Nacht macht ihnen zu schaffen – die Schuhe sinken ein. „Da muss alles sitzen“, sagt Simon. „Die Technik, das Absichern. Jeder falsche Schritt kann Folgen haben.“

Durchatmen auf dem Dach der Welt

Acht Stunden steigen Simon und seine Mitstreiter auf – und überwinden 1.100 Höhenmeter. Und dann ist er da: der höchste Punkt auf 6.189 Metern. Luftsprünge auf dem Dach der Welt? Eher nicht: Gipfel sind ungastliche Orte. Es ist eiskalt und windig. „Zeit für ein Foto muss sein“, lacht er. „Aber lange stehenbleiben sollte man nicht.“ Das Wetter kann jeden Moment umschlagen – und man kühlt gefährlich schnell aus. Nach einigen hundert Metern auf dem Weg nach unten löst sich die Anspannung. „Die Emotionen kamen erst beim Abstieg“, sagt Simon. Der Blick zurück zum Gipfel erscheint hingegen fast surreal: „Da war ich heute? Es braucht Zeit, das zu begreifen.“ Sieben Stunden steigen Simon und seine Begleiter vom Gipfel ab. Ganze 15 Stunden nach Ihrem Aufbruch am frühen Morgen erreichen sie wohlbehalten den nächsten Ort.

Ein echtes fischer Original …

… des Typs DUOPOWER, ein Hochleistungsdübel, hat Simon mit nach Nepal genommen – und vor der atemberaubenden Kulisse des Island Peaks fotografiert. Simon selbst ist „fischerianer“ durch und durch – und von Kind auf mit der Firma verbunden. Sein Vater hat 45 Jahre bei fischer gearbeitet, Simon ist seit elf Jahren dabei. Seit seinem dualen Maschinenbau-Studium arbeitet er im Bereich Technologie Metallproduktion. Heute ist er Teamleiter. Die Herausforderungen – in Simons Berufsalltag am Standort in Tumlingen sowie an den steilen, schneebedeckten Hängen des Himalayas – mögen verschieden sein. Die Stärken, die hier wie dort zum Ziel führen, scheinen jedoch dieselben: „Neugier, Antrieb – und der Wille, sich selbst herauszufordern“, sagt Simon. „Darauf kommt es an.“