Mauerwerk: Wir beantworten die Teilnehmer-Fragen aus unserem OnlineSeminar

04. September 2020

Vielfältig, flexibel und das perfekte Pendant zum statischen Beton. Mauerwerk gehört zweifelsohne zu den Allroundern unter den Baukörpern. Die Planung, Bemessung und Ausführung von Verankerungen in Mauerwerk bringen allerdings gelegentlich auch Herausforderungen mit sich. In unserer OnlineSeminar-Reihe haben wir uns mit diesem Baustoff beschäftigt. Hier beantworten wir nun die Teilnehmer-Fragen.

Sicherheitsrelevant in Mauerwerk befestigen

Wenn Planer und Statiker sicherheitsrelevant in Mauerwerk befestigen wollen, dann müssen Befestigungslösungen mit Zulassung verwendet werden. Gängig sind dafür die Bewertungen nach ETA (European Technical Assessment). Die Lasten laut ETA werden in Versuchen ermittelt und sind damit eindeutig festgelegt.

Mauerwerkssteine sind bei den deutschen sehr beliebt- zum Beispiel sorgen sie für Wärmedämmung.
Mauerwerk besitzt einen bauphysikalischen Nutzen für die Wärmedämmung sowie den Schallschutz.

Mauerwerkssteine erkennen

Teilnehmer-Frage: Wie gehe ich vor, wenn ich das Lochbild der Steine nicht genau zuordnen kann?

Unter dem Überbegriff Mauerwerk versteckt sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Steinen. Deshalb ist es wichtig, dass der Stein genau bestimmt werden kann. Denn für die Befestigung in Mauerwerk macht es einen erheblichen Unterschied, ob der Stein zum Beispiel mit dichtem oder weniger dichtem Gefüge vorliegt. Wichtig zu wissen: Der Stein bestimmt wie hoch die maximale Last ist. Wenn der Mauerwerksstein bestimmt wurde, kann in der ETA nach einem vergleichbaren Stein gesucht werden. Diesen zieht man dann als Referenzstein für die erforderlichen Zugversuche heran. Ist der Stein direkt in der ETA enthalten, können die entsprechenden Lasten direkt entnommen werden.

Teilnehmer-Frage: Wie erkenne ich beim verputzten Mauerwerk, wo die Fugen sind?

Sollte das Mauerwerk verputzt sein und man sieht den Stein nicht direkt, muss nachgeforscht werden. Wenn sich die Fugen nicht durch den Putz abzeichnen, muss lokal der Putz entfernt werden, um die genaue Lage der Fugen zu ermitteln.

Teilnehmer-Frage: Bekannter Stein, der nicht in der ETA geregelt ist

In diesem Fall müssen vergleichbare Steine in der ETA gesucht werden. Die Lastangaben zu dem ähnlichen Stein können dann übernommen werden. Wenn dem Planer oder Statiker ein Lochstein vorliegt oder der Vollstein ist nicht direkt mit anderen Steinen aus der ETA zu vergleichen, dann müssen Zugversuche unternommen werden. Wenn wir nicht wissen, welcher Untergrund vorliegt, können wir keine Lasten nennen.

Einfluss von Fugen auf die Verankerung in Mauerwerk

Teilnehmer-Frage: Inwiefern ist die Befestigung in der Lagerfuge möglich?

Bei dieser Frage unterscheidet man zunächst, ob Lager- oder Stoßfugen vorliegen. Stoßfugen können vermörtelt sein, müssen es aber nicht. Sind sie nicht vermörtelt, dann muss die Last um 0,75 reduziert werden. Bei einer unvermörtelten Stoßfuge zu der Cmin nicht eingehalten werden kann, muss die Last ebenfalls abgemindert werden. Haben wir Lagerfugen oder vermörtelte Stoßfugen, dann darf darin verankert werden. Denn die Lasten in der ETA gelten für das Gesamtmauerwerk inklusive der Fugen.

Teilnehmer-Frage: Wie werden verzahnte Stoßfugen bewertet?

Verzahnte Stoßfugen werden wie normale, nicht vermörtelte Fugen behandelt. Weitere Informationen zur Befestigung in Fugen geben wir in der vorherigen Frage.

Teilnehmer-Frage: Gibt es universale Kleber und Siebhülse für die Vielfalt der Steine?

Das Injektionssystem FIS V ist ein universelles System für Mauerwerk und Beton. Die Siebhülsen sind allerdings individuell zu wählen, hier gibt es keine Hülse, die alle Fälle abdeckt.

Die Bohrlochreinigung ist bei Mauerwerk elementar wichtig.
Jedes Bohrloch muss gereinigt werden. Denn das hat große Auswirkungen auf die Tragfähigkeit von Befestigungen.

Teilnehmer-Frage: Warum sind zwei Einzellasten mit kleinen Randabstand teilweise größer als eine Gruppenlast mit zwei Ankern?

Wenn bei Ankergruppen der charakteristische Achsabstand unterschritten wird, sind sogenannte Gruppenfaktoren anzuwenden. Hier ist keine Interpolation möglich, sondern im Bereich zwischen smin und scr ist dieser Wert konstant anzuwenden. Er kann, je nach Stein, auch kleiner 1 werden, so dass 2 oder 4 Dübel weniger tragfähig als ein Einzeldübel sind. Diese Gruppenfaktoren sind Steincharakteristika, die in Versuchen ermittelt wurden. Bezüglich des Randabstands gilt ähnliches: Volle Last, wenn c >= cmin, ansonsten 0.

Teilnehmer-Frage: Ist es sinnvoll bei bekannten Lochbild des Steins die Bohrungen oder Anker so zu setzen, dass man immer die Innenwandungen der Steine trifft?

Wenn wir hier von innenliegenden Stege sprechen, ist es egal, wo die Dübel sitzen. Denn bei der Ermittlung der Tragfähigkeit wird immer die ungünstigste Lage beurteilt. Zudem ist es baupraktisch kaum möglich die genaue Lage zu bestimmen.

Mauerwerkssteine können sich deutlich unterscheiden.
Mauerwerk ist beliebt. Dies untermauern auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes (StBA) zur Bedeutung des Baustoffs für den Wohnungsbau. Bereits 2018 bestanden etwa 75 Prozent der Wohngebäude in Deutschland aus einer Mauerwerksart.

Teilnehmer-Frage: Wie viele Dübel darf ich pro Stein einsetzen?

Prinzipiell liegen die Achsabstände so, dass ein Dübel je Stein möglich ist. Bei einigen Steinen werden aber zusätzliche Versuche mit kleineren Achsabständen durchgeführt. In diesen Fällen kann auch mehr als ein Dübel je Stein gesetzt werden. Allerdings sind dann Lastreduktionen (Gruppenfaktoren) zu berücksichtigen. In ungünstigen Fällen kann diese Reduktion kleiner 1 sein, d.h. 2 oder auch 4 Dübel tragen weniger als ein einzelner Dübel. So geht man nur vor, wenn es konstruktiv erforderlich ist. Die Abminderungsfaktoren sind absolut, es ist keine Interpolation zwischen min. und max. möglich.

Teilnehmer-Frage:  Bei Auszugsversuchen vor Ort wird die zentrische Zugtragfähigkeit geprüft. Wie ergibt sich die Übertragbarkeit auf Querlasttragfähigkeit?

Eine Ermittlung der Querlasten aus den Zuglasten ist folgend geregelt:

Der ermittelte Wert aus dem Zugversuch wird im gleichen Verhältnis wie bei dem angesetzten Referenzstein auf die Querlast übertragen. Ist der Wert der Querlast beim Referenzstein höher als der der Zuglast, dann wird die Querlast auf diesen Wert gedeckelt. Ermittelt man bei dem Versuch höhere Zuglasten als beim Referenzstein, dann müssen diese auf den Wert des Referenzsteines gedeckelt werden und man rechnet damit weiter.

Allein in Deutschland bestehen drei von vier Wohngebäuden aus Mauerwerk. Was den Baustoff so besonders macht, erzählt euch fischer Experte Torsten Kühnert in diesem Artikel.

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